Warum sich manche Orte gut anfühlen –
Feng Shui ohne Kompass
03.09.2026 I Christiane Witt
Manchmal spürt man einen Ort, bevor man ihn versteht
Ich bin gerade von einer längeren Reise durch Südosteuropa zurückgekommen. Wir waren in vielen verschiedenen Städten und Ländern unterwegs, und dieses Mal hatte ich mir tatsächlich vorgenommen, einfach Urlaub zu machen. Kein LoPan, keine bewusste Feng-Shui-Analyse, kein „Wie ist hier wohl die Energie?“
Ich wollte einfach nur schauen, genießen, Neues entdecken und mich treiben lassen. Und trotzdem habe ich unterwegs immer wieder sehr deutlich gespürt, dass sich manche Orte für mich gut anfühlen und andere überhaupt nicht.
Besonders ist mir Berat in Albanien in Erinnerung geblieben. Ich habe mich dort sofort wohlgefühlt. Und erst jetzt im Nachhinein habe ich mich für diesen Blogartikel gefragt: Warum eigentlich?
Berat – eine Stadt, die sich in ihre Landschaft schmiegt
Wenn man Berat zum ersten Mal sieht, fällt eines sofort auf: Die Stadt liegt nicht einfach irgendwo in einer flachen Landschaft. Sie schmiegt sich an die umgebenden Hänge, wird vom Fluss Osum durchzogen und ist umgeben von Bäumen und Grün.
Die alten Häuser mit den vielen Fenstern, weshalb Berat auch als die Stadt der tausend Fenster bezeichnet wird, stehen wie scheinbar aufgestapelt am Hang. Wege und Treppen führen durch die engen Gassen nach oben, während sich immer wieder wunderbare Ausblicke ergeben, die unbedingt von mir fotografisch festgehalten werden mussten.
Und hier musste ich an eine wichtige Qualität im Feng Shui denken:
Der Rückhalt
Im Feng Shui schauen wir bei der Beurteilung eines Ortes unter anderem darauf, ob es Schutz und Unterstützung im Rücken gibt. Das bedeutet nicht, dass hinter jedem Haus zwingend ein Berg sein muss. Aber wir Menschen fühlen uns wohler, wenn wir nicht völlig exponiert sind, sondern es etwas gibt, das uns hält, begrenzt und schützt.
Dieser Wunsch nach Schutz im Rücken ist tief in uns verankert. Früher konnte schließlich von hinten Gefahr kommen, ohne dass wir sie rechtzeitig wahrgenommen hätten.
Berat hat reichlich von diesem Schutz, denn die Berge oder besser gesagt die Hügel geben der Stadt einen Rahmen. Die Häuser liegen ganz natürlich in die Umgebung eingebettet, statt sich von ihr abzugrenzen.
Enge Gassen und plötzlich wieder Weite
Besonders schön fand ich den Blick, als wir abends in einem Restaurant auf der einen Hügelseite der Stadt saßen und auf die Altstadt am gegenüberliegenden Hügel schauen konnten.
Aber auch die kleinen Gassen und steinernen Treppen durch die Altstadt haben mir gefallen. Die Wege sind schmal und geschützt. Man kann nicht weit vorausschauen. Und dann kommt irgendwann wieder ein weiter Blick hinaus.
Für mich ist genau dieses Wechselspiel spannend: Enge und Weite, Schutz und Öffnung, Ruhe und Bewegung, Sonne und Schatten. Yin und Yang.
Im Feng Shui geht es nicht darum, überall möglichst viel Raum zu schaffen. Ein Raum, der nur aus Weite besteht, kann genauso ungemütlich sein, wie ein Raum der uns einengt und nicht atmen lässt.
Wir brauchen beides: Bereiche, in denen wir uns geborgen fühlen und Möglichkeiten, unseren Blick und unsere Energie wieder nach außen zu richten.
Wasser bringt Bewegung, aber nicht nur das
Dann ist da noch der Fluss Osum. Er zieht sich durch die Stadt und bildet gleichzeitig eine natürliche Grenze und eine Verbindung der beiden Hügel.
Im Imperial Feng Shui hat Wasser eine besondere Bedeutung. Wir betrachten dabei unter anderem, wie Wasser sich bewegt, wohin es fließt und wo es sich sammeln kann.
Wasser kann Bewegung und Veränderung bringen, gleichzeitig aber auch dazu beitragen, dass sich Qi sammelt und nicht einfach davonfließt.
Dabei ist nicht jedes Wasser automatisch gutes Feng Shui. Ein stehender, verdreckter Tümpel oder ein reißender Fluss, der alles mit sich fortträgt, hat eine andere Qualität als ruhiges Wasser, das sich durch eine Landschaft bewegt.
Und genau so ein ruhiges aber sich stetig bewegendes Wasser ist der Osum in Berat. Er gehört ganz selbstverständlich zum Stadtbild. Brücken verbinden die beiden Ufer, die Menschen bewegen sich entlang des Wassers und die Hügel außen herum rahmen den Fluss ein.
Es entsteht ein Zusammenspiel verschiedener Landschaftselemente, das für mich sehr stimmig gewirkt hat.
Alte Häuser, natürliche Materialien und viel Grün
Was mir in Berat außerdem gefallen hat, ist die Verbindung der Gebäude untereinander und mit der Landschaft.
Stein, Holz, Ziegel, helle Fassaden, rote Dächer und dazwischen immer wieder Bäume und Pflanzen.
Nichts wirkt völlig losgelöst von seiner Umgebung. Natürlich gibt es auch moderne Gebäude, Geschäfte, Autos und Verkehr.
Den ganzen Tag schlängelt sich eine Autolawine durch das Städtchen. Berat ist kein Freilichtmuseum. Und trotzdem hatte der Ort eine ruhige Wirkung auf mich. Vielleicht liegt es an seiner gewachsenen Struktur. Es wirkt nicht perfekt und genau das macht es so charmant. Und natürlich sind es auch die herzlichen Menschen dort.
Feng Shui bedeutet schließlich nicht, einen Raum oder eine Umgebung möglichst schön zu gestalten oder alles perfekt aufeinander abzustimmen. Es geht vielmehr darum, wie Mensch, Raum und Umgebung miteinander in Beziehung stehen.
Und dann war da Čačak …
Auf unserer Reise – 10 Länder in 18 Tagen – haben wir viele wunderschöne Orte gesehen und hatten tolle Begegnungen. Aber es gab auch eine Stadt, bei der mein Gefühl ganz anders war:
Čačak in Serbien. Schon beim Ankommen dachte ich: Hier gefällt es mir überhaupt nicht.
Die Stadt ist geprägt von großen, teilweise sehr nüchternen Gebäuden aus sozialistischer Zeit.
Viele Fassaden wirkten auf mich wenig einladend und der große Platz irgendwie hart.
Und auch wenn ich natürlich weiß, dass man eine Stadt nicht allein anhand ihres Aussehens beurteilen kann, hatte ich dort einfach ein ganz anderes Gefühl als beispielsweise in Berat.
Feng Shui beginnt nicht mit dem Kompass
Ich habe gar nicht erst versucht, die beiden Städte nach Feng Shui zu analysieren. Ich habe einfach nur wahrgenommen.
Vielleicht ist genau das meine wichtigste Erkenntnis dieser Reise als Feng Shui Beraterin. Wir müssen nicht zuerst einen Kompass nehmen, die Himmelsrichtungen bestimmen und eine ausführliche Analyse machen.
Unser Körper und unsere Wahrnehmung reagieren oft schon viel früher. Wir spüren: Hier kann ich durchatmen. Hier möchte ich sitzen bleiben. Hier fühle ich mich geschützt. Hier darf ich einfach sein. Oder eben: Hier möchte ich schnell wieder weg.
Feng Shui beschäftigt sich genau mit dieser Beziehung zwischen Mensch und Umgebung. Und manchmal wird uns diese Verbindung besonders deutlich, wenn wir nicht zu Hause sind. Ohne den Einfluss des Alltags, der unsere Wahrnehmung manchmal überlagert, können wir in einer entspannten Auszeit viel unmittelbarer wahrnehmen, wie ein Ort auf uns wirkt.
Eine kleine Übung für dich
Eine Übung, die ich auch Menschen empfehle, die ein Grundstück kaufen möchten und nicht wissen, ob es wirklich ein guter Platz für sie ist.
Wenn du das nächste Mal unterwegs bist, versuche einmal, einen Ort nicht sofort zu bewerten.
Nicht: Ist das schön? Ist das teuer? Ist das modern?
Sondern frage dich einfach:
Wie fühlt sich dieser Ort für mich an? Möchte ich lieber hier bleiben? Fühle ich mich geschützt? Kann ich mich entspannen? Wo zieht es mich hin? Und wo möchte ich lieber sitzen?
Deine Wahrnehmung ist der erste Schritt. Und vielleicht stellst du – so wie ich in Berat – irgendwann fest, dass Feng Shui dich auch dann begleitet, wenn du eigentlich gar nicht darauf achtest.
So wie in meiner Auszeit. Ich habe nicht analysiert. Ich habe einfach nur wahrgenommen.







Foto von Svitlana auf Unsplash